Briefe an eine Zeitzeugin - Schüler der IGS LuGa reisen in die Zeit der Rassentrennung in den 1950er Jahren der Vereinigten Staaten

 

Schüler der IGS Ludwigshafen Gartenstadt nehmen Kontakt auf zur Zeitzeugin Melba Pattillo Beals, eine von neun schwarzen Schülern, die 1957 zum ersten Mal eine weiße Schule besuchen durften.

Englisch Erweiterungskurs der 8. Klasse mit Laura Decker

 

Die Schüler der 8. Klasse des Englisch Erweiterungskurses haben die Möglichkeit ergriffen mit einer Zeitzeugin, die Teil der Geschichte der Vereinigten Staaten im Zeitalter der Aufhebung der Rassentrennung wurde, Kontakt aufzunehmen. Melba Pattillo Beals, eine der „Little Rock Nine“, hat auf die Briefe der Klasse geantwortet und ihren ersten Tag an der Little Rock Central High School beschrieben.

Nachdem die Schüler schrittweise einen historischen Überblick über „Slavery“, „Segregation“ und das „Civil Rights Movement“ mit seinen Berühmtheiten Martin Luther King und Rosa Parks erhalten hatten, lasen sie mit ihrer Lehrerin Laura Decker Auszüge aus Melbas Tagebuch „Warriors Don’t Cry“.  Der Lehrbuchtext (Cornelsen, English G 21, D4 Erweiterte Ausgabe, S. 90f.) schildert die geschichtlichen Ereignisse von 1957, an dem Melba und acht weitere schwarze Schüler zum ersten Mal eine High School, die bis dahin nur von weißen Schülern besucht wurde, betreten durften. Es handelt sich um die Little Rock Central High School, die durch die Proteste gegen „school segregation“ 1957 in die Geschichte einging.

 

Die „story“ im Lehrbuch unterteilt sich in einen Haupttext, der über die Geschehnisse berichtet, und Melbas Tagebucheinträge, die dem Text eine persönliche Note geben und Melbas Gefühle an ihren ersten Tagen an der High School festhalten. Die ersten drei Wochen ihrer Schulzeit an der Little Rock Central High waren von Demonstrationen aus wütenden Menschenmassen geprägt, die es den neun Schülern unmöglich machten, die Schule zu betreten. Sie wurden bespuckt, getreten und geschlagen, befanden sich in Lebensgefahr, so dass sie vor dem Mob fliehen mussten. Sogar Gouverneur Faubus unterstützte die weißen Demonstranten, indem er die Nationalgarde von Arkansas sendete, damit die „Little Rock Nine“ die Schule nicht betreten würden.  Präsident Eisenhower stellte sich am 25. September 1957 gegen den Gouverneur von Arkansas und rückte mit Soldaten der Armee an, die es den Schülern zum ersten Mal ermöglichten, einen vollen Schultag in der Little Rock Central High School zu verbringen (History.com Staff, 2010).

Die Schüler waren von den Geschehnissen der Vergangenheit sehr berührt und machten sich voller Tatendrang daran, persönliche Briefe an Melba zu schreiben, um zu erfragen was sie an ihrem ersten Tag in der Schule tatsächlich erlebte. Außerdem wollten sie durch die Briefe erfahren, ob „segregation“, also Rassentrennung bzw. -diskriminierung, in Melbas Augen tatsächlich vorbei ist und wie sie zu der aktuellen „Black Lives Matter“ Bewegung steht, welche durch Trumps Wahlsieg einen Aufschwung bekam. 

Die Bewegung zu „Black Lives Matter“ entstand im Jahr 2012 nachdem der schwarze 17-jährige Trayvon Martins von George Zimmerman (Mitglied einer Bürgerwehr) erschossen wurde und für sein Verbrechen freigesprochen wurde, da er gemäß des Urteils aus Notwehr gehandelt habe. In den USA kam es zwei Wochen nach dem Tod von Trayvon Martins zu landesweiten Demonstrationen gegen Rassendiskriminierung und Polizeiwillkür. „Black Lives Matter“ bezeichnet sich selbst als eine Bewegung, die zum Handeln gegen Rassismus und die Tötung von schwarzen Menschen durch Polizei und Bürgerwehr aufruft. Zudem bezieht die Bewegung Minderheiten, wie Schwule und Lesben, Transgender, behinderte Menschen, Frauen und Flüchtlinge in ihren Appell mit ein. Menschenrechte und Würde sind zentrale Themen der Bewegung (BlackLivesMatter Organization, 2017).

Gefüttert mit Hintergrundwissen machten sich die Schüler daran Briefe an Melba zu schreiben, um ihr zum einen Respekt für ihren Mut auszusprechen und zum anderen Antworten auf ihre Fragen zu bekommen. Somit schrieben 22 Schüler einen persönlichen Brief an Melba Pattillo Beals. Im nächsten Schritt lasen wir gegenseitig alle Briefe und kommentierten dieses. Danach wählten wir die drei besten Briefe aus und schickten sie per Mail an Melba. Sie nahm sich die Zeit und antwortete mit einem ausführlichen und herzlichen Brief. Die Schüler waren begeistert und dankbar, mit einer Zeitzeugin Kontakt aufgenommen zu haben und über Rassentrennung aus Sicht einer Betroffenen mehr zu erfahren bzw. über den Kampf die Rassentrennung aufzuheben. Auch heute ist das Thema hoch aktuell; „Black Lives Matter“ ist der Beweis dafür. So wie Melba schrieb “It is only through discussions and conversations that we will reach the hidden feelings that support segregation” ist der Dialog das Mittel, um Vorurteile, Stereotypisierung und Diskriminierung aus der Welt zu schaffen. Die Schüler der 8. Klasse des Englisch Erweiterungskurses haben sich an diesem Dialog beteiligt und können sehr stolz auf sich sein. Auch die IGS LuGa als eine Schule für alle ist an diesem Dialog interessiert, da die Vermittlung von demokratischen Werten und von einem vertrauensvollen Miteinander von elementarer Bedeutung für uns ist. 

 

 

Brief von Melba:

 

Dear Laura and all your students,

 

It was delightful to read your emails.  Thank you for writing me.

 

What I mentioned before about Black Lives Matter is true.  It is only through discussions and conversations that we will reach the hidden feelings that support segregation.  If we speak our concerns and negative thoughts we may reach past them to our understanding that we are all people, all one.

 

In each of the letters you have asked for what I was feeling on my first day at Central High School.  As I left for the school, I was filled with joy and hope.  I was finally going to get the education I wanted in the building I had hoped to enter for so many years.  I was frightened as you might be frightened to go to a new school.  I had the same concerns of would they like us, would they accept us.  I was not prepared for the mob and for people chasing Mother and me with ropes.  

 

The next time we were to enter the school, I was still hopeful that when the white students got to know us, to know we were like them, interested in getting a good education, neat and clean and well spoken, they would accept us and all the troubles would go away.  When we found ourselves being separated from each other, going into different classes, we were surprised.  We soon came to understand that it would take much more than just getting to know us to erase the hundreds of years of segregation.  We had no idea then what it would take to make the transition from segregation to equality.

 

Each of you in your letter has touched upon a truth we should not forget. Aishe said, "We all should treat each other well with love and respect."  Lena said, "I hope that one day everyone will accept everyone for the way they are." Mariella added, "It doesn't matter what your skin looks like.  It only matter how your brain and also your heart works."

 

If you see yourself as better than your neighbor, even if he is of the same color as you, you are separating yourself from him/her.  That is the continuing desire of people who support segregation.  It is the desire of haters to separate people.  Your comments light up the truth of what brings people together.  When enough of us support that truth, segregation will end.

 

Seeing equal is being equal. We cannot be free until each and every one of us is free.

 

Melba

 

 

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